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IV. Intraaktion

26.05. – 19 Uhr / heinrich-böll-stiftung

Savoir vivre IV: Intraaktion (installation / theater / lecture)

"Language matters. Discourse matters. Culture matters. There is an important sense 
in which the only thing, that doesn't seem to matter anymore is matter." 
Karen Barad - Agential Realism	(to matter - von Bedeutung sein / matter - Materie)

Deine Gespenster/ Du/ Das Gras/ Die Steine/ Terrapolis/ Der Hase auf dem Feld: Der Raum fürs Tätigsein wird größer, da er nicht allein auf das Menschliche und diese Welt beschränkt ist. Wir bewegen uns in/zwischen menschlichen, nicht-menschlichen, cyborgartigen und anderen Formen.

Zwischen Januar und Mai 2015 untersuchten 15 Menschen in intradisziplinären, skizzenhaften Untersuchungen den Einfluss der Programmierindustrie und des Marketings auf den Prozess der Individualisierung und Bildung unseres Selbst. In drei Arbeitsphasen kamen Idealisten aus unterschiedlichen Bereichen zusammen und versuchten ein alternatives Kommunikationssystem zu finden und zu praktizieren – es ging darum, sich ganz wirklich (wirklich !) zu interessieren füreinander und für die Technolgien, die uns prägen. Wir versuchten die Spannweite der Disziplinen auszuloten und die jeweils unterschiedlichen Bedürfnisse ernst zu nehmen und mit allen Konsequenzen in ein ästhetisches Verhältnis zueinander zu setzen. Denn diese Reihe bildet den Anfang für eine lang angelegte Auseinandersetzung mit Existenzweisen der Zukunft und sucht aus der ästhetischen Praxis heraus nach dafür angemessenen Produktionsformen.

Bisherige Versuche waren:

Savoir vivre I: Action in Perception – Auf der Grundlage von Alva Noës Geistesphilosophie näherten wir uns den Bereichen und Begriffen der Kognition, welche unseren Individuierungsprozess bestimmen. // featuring: Tanz und Sound

Savoir vivre II: Hauntology – Der Kulturtheoretiker Mark Fisher wendet Derridas Hauntology-Begriff auf die Pop- und Medienkultur unserer Zeit an und bot uns mit seinen Texten einen Rahmen, um nach dem Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu fragen, und danach, wie sich dieses Verhältnis ändert, wenn Zeitobjekte durch technologische Apparaturen bearbeitet werden. // featuring: Text und Video

Savoir vivre III: Experimental Geography – Arjun Appadurais Begriffe der Ethno-,Techno-,Finance-, Media- und Ideoscapes als Verflüssigung von stabilen Gebilden, welche auf Karten lokalisiert werden können, waren der Ausgangspunkt für das Ausloten eines erweiterten Geographiebegriffs // featuring: Materialspiel und googlemaps

Im aktuellen, vierten Teil der Reihe werden vorraussichtlich alle Akteure der bisherigen Versuche anwesend sein, Elemente und Handlungsweisen aus I-III miteinander in Korrespondenz treten lassen und Erfahrungen austauschen und kombinieren. Anstoß hierfür ist Karen Barads Gedanke eines unumgehbaren, aber absolut produktiven Tätigseins – nicht in Interaktion – sondern im “In der Welt sein” – in Intraaktion. Determinismen und Kausalitäten geraten so ins Wanken und müssen stetig neu miteinander verhandelt werden.

von und mit: Lisann van Aken (Tänzerin), Lars Ulrich (Mediaartist), Alexander Hof (Philosoph & Programmierer), Frederik Worms (Politikwissenschaftler), Mirjam Wulff (Theologin), Katrin Klietsch (Kunsthistorikerin & Galeristin “cu – contemporary urban”), Katharina Halus (Puppenspielerin), Valerie Gasse (Kostüm- und Bühnenbildnerin), Elias Oltmanns (Programmierer), Christian Römer (Kulturnetzwerker), Caspar Schleicher (Dokumentarfilmer, Filmarche Berlin), Jonas Keller (Medientheoretiker & Photograph), Malin Nagel (Dramaturgin), Daniel Hengst (Mediaartist)

Bring dein Handy mit!

 

 

 

 

March 23rd @ 20:00 n.k. projekt [0], 20:00 Uhr

Savoir vivre I – IV

the entrance is free / more info: www.intraaktion.de

Bring your mobile phone with you!

Your body/ego is a globalized market. Your consciousness is degraded and exploited by
the economy, comparable to the eradication of animal species and the destruction of
natural resources. // No! Yes! – Is a different future possible, if we just learn how to live
life? However – Begin anywhere!

“Savoir vivre I-IV” is a long term, sketchy investigation about the influence from
programming industry and marketing on the process of individuation and the constitution of ourselves. Four sessions, four times idealists from different contexts will work together and try to find an alternative system of communication.

I. Action in Perception
The essence of the world pops up in the short break before each and every breath and
becomes experienced in operating. Suddenly: No form, but chaos, no vision but touch:
Wahrnehmung ist nicht etwas, das uns passiert oder in uns passiert. Es ist etwas, dass wir tun.
The grammar of sound created by experimental sound artist Lars Ullrich will be the ceiling under which dance performer Lisann van Aken will expose the deformation of body and ego. Associated with phone calls and text messages a ritual will be created that hopefully opens up your view to the border between the techniques of the self and commercial psycho technologies.

by: Lisann van Aken , Lars Ullrich, Alexander Hof, Malin Nagel, Daniel Hengst, Frederik
Worms, Lucas Pleß

 

 

Hamlet

SCHAUSPIELHAUS DORTMUND

nach William Shakespeares The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark in der deutschen Übersetzung von Reinhard Palm 

Wie oft William Shakespeares Tragödie HAMLET seit ihrer Entstehung um 1601 auf den Bühnen dieser Welt aufgeführt wurde, vermag niemand genau zu sagen. Eins aber ist sicher: Es gab in den vergangenen rund 400 Jahren Millionen von Zuschauern, die die Geschehnisse hinter den Mauern von Helsingör immer wieder neu mit offenen Herzen und Hirnen erleben wollten. Und wenn – was selten genug vorkommt – ein Theatertext die Menschen vieler Länder dermaßen konstant fasziniert, so ist oft einer der Gründe dafür, dass die Dialoge, Figuren und Fragen des Dramas Kompositionen ermöglichen, die – unabhängig von Ort und Zeit – unsere Synapsen zum Schwingen bringen. Unsere Gegenwart.

Ein Mikrokosmos, in dem das Theater der Welt stattfindet. Ein Schauplatz in Nahaufnahmen, ein Ort des Gesehen-Werdens: Schloss Helsingör, Dänemark. Hinter den Mauern der Macht ermordet Claudius seinen Bruder, den König von Dänemark, heiratet dessen Frau und reißt den Thron an sich. Dann sind da noch Claudius’ Staatsrat Polonius (mit dem Auftrag, die Augen und Ohren überall zu haben), dessen Kinder Laertes und Ophelia … und die Schauspieler. Von außen drohen Feinde, innen verfaulen Ethik und Moral – verfault ein Land. Auf allem, aus dem eine echte Revolution erwachsen könnte, liegt ein Mehltau. Hamlet, Sohn des Ermordeten, ringt mit Wahrheit und Wahnsinn. Und er ist nicht der Einzige, der bald erkennen muss, dass man in der eigenen Heimat zum Fremden werden und in der eigenen Zeit verloren gehen kann.

William Shakespeare (1564 – 1616) zeichnet in HAMLET eine Welt am Abgrund. Shakespeares wohl berühmteste Tragödie lauscht seit Stückentstehung gleich einem Seismographen in die Erschütterungen der Jetztzeit. Inspiriert zur Suche nach der Architektur unserer Welt – nach dem, was die Menschen zusammenhält, nach dem Ich in einer Zeit aus den Fugen, nach Verlorengegangenem und Verlorengegangenen.

HAMLET nach Shakespeare am Schauspiel Dortmund lädt ein zu einem Blick durch die Jahrhunderte, direkt in die zunehmend technisierte Welt unserer eigenen Gegenwart – auf das, was heutzutage fasziniert und überfordert, verängstigt und anspornt, verwirrt und verblüfft. Europa, 2014/15: Was ist der Mensch?
Im Spannungsfeld von digitaler Informationsüberflutung und Kameraüberwachung, von Daten als Rohstoff und Mittel politischer Herrschaft, von Macht und Ohnmacht, dem Sein oder Nicht-Sein in der globalen Welt und des Ichs zwischen Virtualität und Realität: Was genau ist das, was alles und jeden zu verzehren droht? Wer sind heute die Mächtigen? Was sind die Krankheiten unserer eigenen Zeit? Wo anfangen, sie zu bekämpfen? Und – wie?

Diskutieren Sie mit uns in den Sozialen Netzwerken unter #hamletDo. Das Programmheft 3.0 zu Hamlet finden Sie auf dem Blog des Schauspiel Dortmund.

Besetzung